Schnitttechniken
Die richtige Schnitttechnik entscheidet über Sicherheit und Ergebnis. Dieser Überblick erklärt die Grundlagen — er ersetzt aber keinen praktischen Kettensägenkurs, der für das Fällen dringend zu empfehlen ist.
Wichtig: Das Fällen von Bäumen ist hochgefährlich und sollte ohne Ausbildung nicht durchgeführt werden. Die folgenden Beschreibungen dienen dem Verständnis, nicht als Anleitung zum selbstständigen Fällen.
Fällschnitt
Der kontrollierte Fällschnitt besteht aus drei Elementen:
- Fallkerb: Auf der Fallrichtungsseite wird ein keilförmiger Einschnitt gesägt (Kerbdach und Kerbsohle). Er bestimmt die Fällrichtung und sollte etwa ein Fünftel bis ein Viertel des Stammdurchmessers tief sein.
- Fällschnitt: Von der Gegenseite wird waagerecht etwas oberhalb der Kerbsohle gesägt.
- Bruchleiste: Zwischen Fällschnitt und Fallkerb bleibt ein Steg stehen, der als Scharnier wirkt und den Baum kontrolliert in die gewünschte Richtung führt. Sie darf nicht durchtrennt werden.
Zur Sicherung gegen Zurückkippen werden Fällkeile gesetzt. Vor dem Fällschnitt wird der Rückweichweg festgelegt und freigeräumt.
Entasten
Beim Entasten werden die Äste vom liegenden Stamm getrennt. Grundregeln: Der Stamm steht möglichst zwischen Bediener und Säge, gearbeitet wird vom Stammfuß zur Krone. Äste auf Spannung (Stützäste) werden zuletzt und vorsichtig gelöst, da sie zurückschnellen können. Niemals mit der Schwertspitze arbeiten (Rückschlaggefahr).
Ablängen
Beim Ablängen wird der entastete Stamm in transportfähige Stücke geschnitten. Entscheidend ist, wo das Holz unter Druck und wo unter Zug steht:
- Stamm liegt frei auf: von oben durchsägen, Säge nicht einklemmen lassen.
- Stamm an beiden Enden gestützt (Druck oben, Zug unten): zuerst von oben ein Drittel einschneiden, dann von unten gegensägen.
- Stamm überhängt (Zug oben, Druck unten): zuerst von unten anschneiden, dann von oben.
Spannungsschnitt
Holz unter Spannung — etwa bei Sturmbruch oder im Hang — ist besonders tückisch, weil es beim Durchtrennen schlagartig zurückschnellt. Man bestimmt zuerst Druck- und Zugseite und schneidet kontrolliert in mehreren Schritten, zunächst auf der Druckseite. Bei unklarer Spannung gilt: Hände weg und Fachleute hinzuziehen.
Sicherheitsabstand
- Beim Fällen Sicherheitsabstand von mindestens zwei Baumlängen zu unbeteiligten Personen.
- Gefahrenbereich absperren oder ansagen; Rückweichweg schräg nach hinten frei halten.
- Auf herabfallende Äste („Witwenmacher") und auf zurückschnellendes Holz achten.
Häufige Fragen
- Was ist die Bruchleiste und warum darf man sie nicht durchsägen?
Die Bruchleiste ist der stehengebliebene Holzsteg zwischen Fällschnitt und Fallkerb. Sie wirkt wie ein Scharnier und führt den Baum kontrolliert in die Fällrichtung. Wird sie durchtrennt, verliert man die Kontrolle über die Fallrichtung — der Baum kann unberechenbar kippen.
- Wie verhindere ich, dass die Säge im Schnitt einklemmt?
Indem man Druck- und Zugseite des Holzes richtig einschätzt und in der passenden Reihenfolge sägt. Klemmt die Säge dennoch, den Motor abstellen und das Schwert mit einem Keil oder einer zweiten Säge befreien — nicht mit Gewalt herausreißen.